Züchtertagung der nds. Imkerlandesverbände

Foto (LV): v.l.: Klaus Deike, Prof. Dr. Kaspar Bienefeld, Jürgen Frühling, F.-K. Tiesler, Dr. Ralf Büchler, Clemens Tandler, Reinhard Andritschke

 

Am Sonntag, den 27.02.2022 fand im Museum am Kiekeberg in Rosengarten die Tagung der nds. Züchter nach 2 Jahren wieder als Präsenzveranstaltung statt. Jürgen Frühling und F.-K. Tiesler als Zuchtobmann konnten neben den beiden Referenten Prof. Dr. Kaspar Bienefeld und Dr. Ralf Büchler zahlreiche Gäste, so Frau Dr. Traynor vom Bieneninstitut Celle, Prof. Dr. Brascamp aus den Niederlanden sowie Züchter aus den benachbarten Verbänden begrüßen.

Prof. Dr. Bienefeld, der nach 30 Jahren am LIB am 01.02.2022 aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden ist, erhielt von Jürgen Frühling die Lehzen Medaille, die höchste Auszeichnung, die die beiden nds. Imkerverbände zu vergeben haben. In seiner Laudatio hob Jürgen Frühling hervor, dass Prof. Bienefeld seit Jahrzehnten eng mit den nds. Verbänden verbunden ist und die Daten für seine Promotion aus den Zuchtbüchern vieler Züchter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammengetragen hat. Seine grundlegende Arbeit bildete den Grundstein für die 1993 am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf eingerichtete Zuchtwertschätzung, die sich so vorteilhaft auf die Zuchtarbeit in ganz Deutschland ausgewirkt hat. Außerhalb der regulären Arbeitszeiten und an Wochenenden überzeugte er die Züchter von der Zuchtwertschätzung und machte sie mit den Ergebnissen moderner Züchtungsforschung vertraut.

Als weitere Auszeichnung konnte Jürgen Frühling die beiden diesjährigen Züchterpreise für hervorragendes Zuchtmaterial vergeben. Den Preis für den LV Hannover erhielt Klaus Deike/Sehnde und für den LV Weser-Ems Wilhelm Renken/Zetel (in Abwesenheit). Ihre Königinnen mit den Geschwistergruppen zeichneten sich durch besonders hohe Zuchtwerte aus.

In seinem Vortrag „Vergangenheit, Status und Perspektiven der Bienenzucht in Niedersachsen“ stellte Prof. Dr. Bienenfeld anschaulich in Grafiken die Zuchterfolge in der nds. Carnica-Population sowohl in Bezug auf Honigertrag, Verhaltenseigenschaften (Friedfertigkeit, Wabensitz, Schwarmneigung) als auch im Hinblick auf Varroatoleranz dar. Gleichzeitig zeigte er, dass die Inzucht dank einer nachhaltigen Zuchtplanung auf einem niedrigen Level gehalten werden konnte.

In dem anschließenden Referat „Perspektiven für die Auslese und Verbreitung resistenter Bienen auf Grundlage der europäischen EurBeST-Studie und des SMR-Verbundprojektes“ (Institut Kirchhain, LIB Hohen Neuendorf, D.I.B., AGT und GdeB) schilderte er zunächst die Ergebnisse der europaweit angelegten EurBeST-Studie, bei der Zuchtmaterial aus deutschen und österreichischen Zuchtbeständen (Carinca und Buckfast) gut abschnitt. Er stellte heraus, dass sorgfältige Selektion erheblichen Arbeitsaufwand erfordert, der mit den am Markt erzielten Preisen auf keinen Fall gedeckt werden kann.

Das SMR-Verbundprojekt ist nach 3 Jahren ausgelaufen. Auf Grund der Ergebnisse wird z.Zt. erarbeitet, welche Zuchtkriterien in die Selektion bei den Züchtern berücksichtigt werden können (SMR-Auszählung, Recapping). Norderney wird bereits seit 2021 als SMR-Belegstelle betrieben, um den Zuchtfortschritt in großer Breite in die Zuchtpopulation zu übertragen. Die Königinnen der Drohnenvölker stammen aus der Zucht des Instituts in Kirchhain.

In den beiden abschließenden Referaten stellte F.-K. Tiesler anhand der von Horst Dieter Fehling und Christian Grolla erstellten PowerPoint Präsentationen die Ergebnisse der Zuchtarbeit im Jahre 2021 und die Zuchtplanungen für 2022 vor. Insgesamt gab es drei anerkannte Züchter, 14 Züchterringe mit 62 Zuchtbuch führenden Mitgliedern. Es wurden bei 1220 Völkern Leistungs- und Eigenschaftsprüfungen durchgeführt. Der Durchschnittsertrag aller geprüften Völker lag bei 37,15 kg. Die Inselbelegstellen wurden mit 12.388 Königinnen beschickt, die Landbelegstellen mit 1802 Königinnen (ohne Buckfast) und die Besamungsstellen mit 437 Königinnen. Im Jahr 2022 werden alle Belegstellen geöffnet, es finden etliche Umlarvveranstaltungen statt. Alle wichtigen Termine, Angaben und Kontaktdaten sind im Internet und in der Maiausgabe des Deutschen Bienenjournals zu finden.

Gegen 16 Uhr konnte Jürgen Frühling die gelungene Veranstaltung schließen und wünschte allen Teilnehmenden eine erfolgreiche Zuchtsaison 2022.

F.-K. Tiesler

 

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